Der Epiphänomenalismus behauptet ja, dass Bewusstsein, also Qualia oder Erleben, vollständig von physikalisch und neuronalen Prozessen verursacht wird. Wichtig dabei: Es selbst ist aber wirkungslos. Bewusstsein ist also eine Erscheinung, ähnlich dem Rauch einer Lokomotive. Es ist zwar da, aber nur ein Abfallprodukt, trägt selbst nicht zur Bewegung der Maschine bei.
Wenn das Bewusstsein jedoch niemals auf die Materie rückwirkt, warum ist es dann überhaupt möglich über Bewusstseinszustände zu sprechen? Sobald ich spreche, werden Nervenzellen aktiv, wird Luft in Schwingung versetzt. Geist steuert Materie. Das darf aber nicht sein.
Also müsste Folgendes zutreffen: Es ist nicht selbst die Ursache dafür, dass wir darüber sprechen. Die Ursache muss wo anders gesucht werden. Wenn ich also über Bewusstsein schreibe, dann muss das Schreiben direkt aus dem neuronalen System kommen*, das laut Theorie aber gar keinen Zugang zum Erleben selbst hatte (oder eine Ebene die noch tiefer liegt müsste die Ursache für beides sein [damit wird das Problem aber verschoben {ich wollte schon immer in einem Text so viele geschachtelte Klammern setzten}]). *eigentliche bin es auch gar nicht ich, die da schreibt.
Sonderbarerweise deckt sich das Sprechen und Schreiben über unser inneres Erleben aber perfekt mit dem tatsächlichen inneren Erleben. Dies führt zur Konsequenz, dass ein neuronales System ohne Bewusstsein über etwas spricht, das es nie erlebt hat. Ein anderes zweites System mit Bewusstsein nichts bewirkt, obwohl doch immer so viel darüber gesprochen wird.
Weitergedacht hat der Epiphänomenalismus damit eine Spaltung in seiner logischen Konsequenz verursacht – eine „Schizophrenie“, die aber zum Glück harmonisch ist und deshalb unbemerkt bleibt. Diese zwei perfekt korrelierten, aber nicht rückgekoppelten Synchronspringer, erzeugen die Illusion eines einheitlichen Ichs. Ein Teil davon wurde zum Schweigen verurteilt und der andere wird zum Zombie.
Ein Trick dieses Problem zu umgehen, ist der Illusionismus. Man behauptet, das wahrnehmende Bewusstsein, sei selbst eine Illusion, nicht etwa, dass es eine Illusion wahrnimmt. Es gibt also gar kein wahrnehmendes Bewusstsein. Doch dann muss man sich fragen: Ist eine Illusion nicht eine Sinnestäuschung? Finden eben diese nicht gerade im Bewusstsein statt? Es ergibt einen Zirkelschluss: Eine Illusion, die in einer Illusion entsteht, welche sie selbst erzeugt hat und in Wirklichkeit gar nicht existiert. (Dieser Satz ist falsch! Welcher? Dieser!)
Man kann behaupten, dass Schmerz eine Illusion der neuronalen elektrischen Impulse ist. Aber das erklärt eben nicht, woher diese Illusion kommt und wer damit getäuscht wird. Sobald man sowohl den Sender als auch den Empfänger der Illusion, im neuronalen Netz verortet, kommt man in die Zirkularität zurück. Um aus der Zirkularität herauszufinden, muss man nun den Begriff Illusion inhaltsleer umdeuten. Nicht ein Subjekt wird dann getäuscht. Sondern die Täuschung entsteht einfach, durch gegenseitiges „Zurufen“ von Neuronen.
Was ist aber eine Täuschung, bei der niemand getäuscht wird? Was bleibt also übrig, vom ganzen Gedankenlabyrinth?
Vielleicht dies: Neuronale Netzwerke führen zur Emergenz des Bewusstseins (wie auch immer), dieses Bewusstsein nimmt Illusionen wahr, wie beispielsweise Schmerz. Illusionen deshalb, weil die Eindrücke nicht 1:1 die „eigentliche Realität“, das Netzwerk repräsentieren.
Aber was war doch gleich die „eigentliche Realität“? (Und, was genau wurde jetzt elegant erklärt?)

Bildbeschreibung: (KI generiert – ich hatte gerade weder Pinsel noch Farbe 😉 Van Gogh malt das Bild seines epiphänomenalen Bewusstsein – Darf er das überhaupt?
Zu sehen: Die Lokomotive Huxleys mit einem dampfartigen Gehirn, das keine Bewegung verursacht. Wenn Van Gogh ein Bild seines epiphänomenalen Bewusstseins malt, ist das Bewusstsein dann noch epiphänomenal?


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