Ja, ich weiß: Das ist ein schwieriges und hochpolarisierendes Thema. Ich vermute jedoch, dass die Schärfe der Debatte weniger am Gegenstand selbst liegt als an der Art der Diskursführung.
Auf der einen Seite stehen Kreationisten – insbesondere in den USA –, die versuchen, den Biologieunterricht mit Schöpfungserklärungen zu unterwandern. Auf der anderen Seite agiert eine äußerst wachsame „Naturalismuspolizei“, die jeden Anflug von Design-Argumenten, selbst wenn sie nur am Rand wissenschaftlicher Arbeiten auftauchen, mit eiserner Konsequenz aus dem Diskurs zu fegen versucht.
Beide Seiten halte ich für problematisch.
Es gibt durchaus gute Gründe dafür, dass Naturwissenschaft methodisch klar naturalistisch arbeitet. Würde man dieses Prinzip aufweichen, könnte selbst die Aussage „Blitze entstehen durch den Zorn göttlicher Wesen“ als wissenschaftliches Modell gelten.
Wenn eine Methode jedoch metaphysische Annahmen von vornherein ausschließt, dann ist sie auch grundsätzlich ungeeignet, diese zu widerlegen. Das liegt schlicht in der Natur der Sache: Die Methode operiert auf einer anderen Ebene. Es ist ungefähr so, als würde man vom Friseur eine Erklärung für den Sinn des Lebens erwarten. Er mag dazu etwas sagen können – aber sicher nicht mit der Schere.
Überzeugte Naturalisten sehen das oft anders. Wenn der Naturalismus eine vollständige Erklärung der Wirklichkeit liefert, so die Annahme, dann könne man durchaus behaupten: Es gibt weder Gott noch Design in der Natur.
Doch genau diese Behauptung – dass der Naturalismus vollständig ist – stellt selbst eine metaphysische Grundannahme dar und verlässt damit den Bereich der Naturwissenschaft zugunsten der Philosophie. In Einzelfällen kann diese Haltung durchaus dogmatische Züge annehmen.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass naturalistische Philosophie per se dogmatisch wäre und kreationistische oder ähnliche Weltdeutungen offen, selbstkritisch und wahrheitssuchend. Im Gegenteil: Borniertheit ist dort weit verbreitet. Nicht die Daten bestimmen das Weltbild, sondern das Weltbild deutet die Daten.
Das ist menschlich. Niemand von uns kann seine persönliche Brille einfach absetzen. Problematisch wird es erst dann, wenn uns diese Brille wichtiger wird als das Sehen selbst. In diesem Moment wird sie zum Götzen. Ein Weltbild muss grundsätzlich korrigierbar sein – andernfalls ist es Dogmatismus.
In den meisten Blogs und Debatten zum Thema Evolution und Intelligent Design erleben wir jedoch genau das Gegenteil. Man gesteht der jeweils anderen Seite nicht einmal ein Jota an Wahrheit zu. Kaum je hört man den Satz: „Dieses Argument ist tatsächlich stark“ oder „Hier gibt es eine Erkenntnislücke, die nicht trivial zu schließen ist.“
Deshalb möchte ich in Zukunft einen Artikel schreiben, der die stärksten Argumente beider Seiten beleuchtet. Nicht mit der Fragestellung: Ist Kreationismus die bessere Naturwissenschaft? – das halte ich für ausgesprochenen Unsinn. Sondern vielmehr: Was wären die besten Argumente eines Designansatzes?
Auf der anderen Seite möchte ich ebenso wenig über einen philosophischen Naturalismus diskutieren. Mich interessiert vielmehr: Was sind die stärksten Argumente der Evolutionstheorie – und welche Einwände könnten Kritiker überhaupt sinnvoll vorbringen?
Ich werde versuchen, beide Seiten klar, fair und ohne ideologische Vorfestlegung darzustellen. Letztlich muss dann jeder selbst entscheiden, welche Argumente für ihn am vernünftigsten klingen.



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